Glossar Schnee und Lawinen

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A

Abbauende Schneeumwandlung [en] [fr] [it] [es] [ca] [sk] [ro]

Neuschneekristalle vereinfachen ihre Form im Bestreben, die Kugelform zu erreichen. Damit verbunden ist eine Setzung und Verfestigung des Neuschnees.

Schneeumwandlung

Abstrahlung, Ausstrahlung [en] [fr] [it] [es] [ca] [sk] [ro]

Aussenden von Wärmestrahlung von der Schneeoberfläche an die Atmosphäre. Bei klarem Himmel kühlt sich die Schneeoberfläche dabei deutlich (einige Grad bis rund 20 Grad) unter die Lufttemperatur ab.

vergleiche in diesem Zusammenhang:

Oberflächenreif

Einstrahlung

Strahlung


Altschnee(decke) [en] [fr] [it] [es] [ca] [sk] [ro]

Teil der Schneedecke, der im Gegensatz zu Neuschnee in vorangegangenen Niederschlagsperioden abgelagert wurde. Die Altschneedecke besteht aus umgewandelten Kornformen.

Altschneedecke

Anrissbreite, Breite des Anrisses (bei Schneebrettlawinen) [en] [fr] [it] [es] [ca] [sk] [ro]

Maximale Breite der seitlichen Flanken einer Schneebrettlawine.

Anrissbreite

Anrissgebiet, Anrisszone [en] [fr] [it] [es] [ca] [sk] [ro]

Geländebereich, aus dem die Lawine abbricht.


Anrisshöhe [en] [fr] [it] [es] [ca] [sk] [ro]

Dicke der Schneedecke lotrecht am Hang gemessen.

vergleiche in diesem Zusammenhang:

Anrissmächtigkeit

Anrisshöhe

Anrisslänge, Länge des Anrisses (bei Schneebrettlaw.) [en] [fr] [it] [es] [ca] [sk] [ro]

Länge eines Schneebrettes, gemessen von der obersten Anrisskante bis zum Stauchwall.

Anrisslänge

Anrissmächtigkeit, Dicke (bei Schneebrettlawinen) [en] [fr] [it] [es] [ca] [sk] [ro]

Dicke der Schneedecke am Lawinenanriss senkrecht auf den Hang gemessen.

vergleiche in diesem Zusammenhang:

Anrisshöhe

Anrissmächtigkeit

Aufbauende Schneeumwandlung [en] [fr] [it] [es] [ca] [sk] [ro]

Wachstum von Schneekristallen zu kantigen Kristallen und becherartigen Hohlformen. Grosse Kristalle werden immer grösser, kleine werden aufgelöst. Führt zu einem Festigkeitsverlust in der umgewandelten Schneeschicht.

Erweiterte Erklärungen: Findet v.a. in Schattenlagen, bei kleinen Schneehöhen, im Frühwinter und bei staudenartiger Vegetation statt.

vergleiche in diesem Zusammenhang:

Stabilität, Schneedeckenstabilität

Schneedecke

Aufbauende Schneeumwandlung

Ausapern (der Schneedecke) [en] [fr] [it] [es] [ca] [sk] [ro]

Abschmelzen der Schneedecke, so dass der Boden ganz oder teilweise zu Tage tritt.

B

Becherkristalle, Tiefenreif, Schwimmschnee [en] [fr] [it] [es] [ca] [sk] [ro]

Hohlformen mit Kanten und Rippen: Resultat der aufbauenden Schneeumwandlung bei grossen Temperaturgradienten. Der Tiefenreif stellt eine typische Schwachschicht dar. Typische Korngrösse: 2 bis 5 mm oder grösser.

Becherkristalle

bindungsarme Schneeschicht [en] [fr] [it] [es] [ca] [sk] [ro]

Schicht mit schwachen Bindungen im Korngefüge.

vergleiche in diesem Zusammenhang:

Festigkeiten

Schwachschichten


Bodenlawine [en] [fr] [it] [es] [ca] [sk] [ro]

Lawine, die in der Anrisszone auf dem Boden abgleitet.

vergleiche in diesem Zusammenhang:

Grundlawine

Bodenlawine

Bruchharsch [en] [fr] [it] [es] [ca] [sk] [ro]

Nicht tragfähiger Harschdeckel, der bei Belastung durch Wintersportler einbricht.

  • Bruchharsch

Bruchschicht [en] [fr] [it] [es] [ca] [sk] [ro]

Schicht in der Schneedecke, in der ein Bruch im Gefüge der Schneekristalle stattgefunden hat.

vergleiche in diesem Zusammenhang:

Schwachschichten

C

couloir [en] [fr] [it] [es] [ca] [sk] [ro]

Steile Rinne, meist in kammnaher Lage und begrenzt von blankem Fels. Oft mit Schutt durchsetzt. Bevorzugter Ort für die Bildung von Triebschneeansammlungen.

  • Coulior

D

destabilisiert [en] [fr] [it] [es] [ca] [sk] [ro]


durchfeuchteter Schnee [en] [fr] [it] [es] [ca] [sk] [ro]

Eine durchfeuchtete Schneeschicht hat eine Temperatur von 0°C, Wasser lässt sich nicht auspressen.

vergleiche in diesem Zusammenhang:

durchnässter Schnee

durchfeuchtete Schneedecke

durchnässter Schnee [en] [fr] [it] [es] [ca] [sk] [ro]

Eine durchnässte Schneeschicht hat eine Temperatur von 0°C. Wasser ist sichtbar und kann ausgepresst werden.

E

eingewehte Hangzone [en] [fr] [it] [es] [ca] [sk] [ro]

Hangbereich, in den durch Wind zusätzlich Schnee eingetragen wurde.

vergleiche in diesem Zusammenhang:

Schneeverfrachtung


Einstrahlung [en] [fr] [it] [es] [ca] [sk] [ro]

Strahlung, die auf die Schneedecke trifft. Die kurzwellige Strahlung (sichtbares Licht) wird je nach Schneeart zu rund 90% an der Oberfläche reflektiert. Der Rest erwärmt die obersten cm der Schneedecke. Langwellige Einstrahlung (Wärmestrahlung) wird praktisch zu 100% von der Schneedecke aufgenommen.

vergleiche in diesem Zusammenhang:

Strahlung

Abstrahlung, Ausstrahlung

Einstrahlung

Einzugsgebiet (von Lawinen) [en] [fr] [it] [es] [ca] [sk] [ro]

Gebiet, aus dem eine oder mehrere Lawinen abgehen können. Von Einzugsgebiet spricht man meist im Zusammenhang mit Tallawinen.

vergleiche in diesem Zusammenhang:

Anrissgebiet, Anrisszone

Einzugsgebiet

Eislamelle [en] [fr] [it] [es] [ca] [sk] [ro]

Durch Regen oder Schmelz- und Gefrierprozesse entstandene, dünne Eisschicht in der Schneedecke, in der keine einzelnen Kornformen erkennbar sind.

  • Eislamelle

Eislawine [en] [fr] [it] [es] [ca] [sk] [ro]

Abbrechendes Gletschereis, welches über eine Steilstufe stürzt. Eislawinen werden teilweise zu Staublawinen. Sie können in der Sturzbahn Schnee mitreissen. Eislawinen haben immer wieder grosse Katastrophen bewirkt.

Mattmark (CH), 1965 88 Opfer
Altels (CH), 1895 6 Opfer, 158 Kühe erschlagen
Huascaran (Peru), 1970 mit anschliessendem Murgang 18'000 Opfer
Eislawine

Entlastungsabstand [en] [fr] [it] [es] [ca] [sk] [ro]

Vorsichtsmassnahme, um die Schneedecke weniger zu belasten. Im Aufstieg sollten mindestens 10 m, in der Abfahrt deutlich mehr eingehalten werden.

Entlastungsabstand

exponiert [en] [fr] [it] [es] [ca] [sk] [ro]

Ausgesetzt gegenüber Wind, Himmelsrichtung, Sonne, Lawinen oder allgemein einer Gefahr.

vergleiche in diesem Zusammenhang:

windexponiert

schattenseitig

sonnenseitig

exponierter Verkehrsweg


exponierter Verkehrsweg [en] [fr] [it] [es] [ca] [sk] [ro]

Besonders der Gefahr von Lawinen ausgesetzter Teil einer Strasse, Bahnlinie oder eines anderen Verkehrsträgers.

vergleiche in diesem Zusammenhang:

hangnaher Verkehrsweg

exponierter Verkehrsweg

Exposition, Hangrichtung [en] [fr] [it] [es] [ca] [sk] [ro]

Himmelsrichtung, in die ein Hang abfällt. Ein Nordhang fällt z.B. nach Norden ab.

Exposition, Hangrichtung

extremes Steilgelände [en] [fr] [it] [es] [ca] [sk] [ro]

Extremes Steilgelände ist gekennzeichnet durch Gelände mit Hangneigungen über 40°, Kammnähe, ungünstige Geländeformen sowie Bodenbeschaffenheit. Daher ist es besonders lawinengefährdet.

extremes Steilgelände

F

Felswandfuss [en] [fr] [it] [es] [ca] [sk] [ro]

Unteres sichtbares Ende einer Felswand, wo die Bodenoberfläche von einer Felswand oft in Geröll übergeht. Damit verbunden ist in der Regel ein Geländeknick unterschiedlicher Ausprägung, wobei die Hangneigung gegen unten abnimmt. Am Felswandfuss beginnt meist extrem steiles, oft aber auch steiles Gelände.

vergleiche in diesem Zusammenhang:

extremes Steilgelände

Steilgelände

Felswandfuss

Fernauslösung [en] [fr] [it] [es] [ca] [sk] [ro]

Auslösung einer Schneebrettlawine auf Distanz. Der auslösende Wintersportler befindet sich dabei nicht innerhalb der abgleitenden Schneetafel (kann aber natürlich vom abgleitenden Schnee von oben erfasst und verschüttet werden).


Festigkeit (im Schnee) [en] [fr] [it] [es] [ca] [sk] [ro]

Die Fähigkeit, Kräfte im Kristallgefüge einer Schneeschicht zu übertragen, begründet durch Anzahl und Qualität der Bindungen zwischen den Eiskristallen.


Festigkeitsabnahme, -verlust (in einer Schneeschicht) [en] [fr] [it] [es] [ca] [sk] [ro]

Bindungen zwischen den Eiskristallen werden schwächer bzw. gehen verloren, so dass die Fähigkeit der Kräfteübertragung zwischen den Kristallen abnimmt.


Festigkeitszunahme (in einer Schneeschicht) [en] [fr] [it] [es] [ca] [sk] [ro]

Bindungen zwischen den Eiskristallen (Anzahl und/oder Qualität der Bindungsstellen) nehmen zu, so dass größere Kräfte zwischen ihnen übertragen werden können.


Filziger Schnee [en] [fr] [it] [es] [ca] [sk] [ro]

Unregelmässige, gabelige Formen als Folge der abbauenden Schneeumwandlung. Bruchteile der ursprünglichen Gestalt der Neuschneekristalle sind oft noch erkennbar. Typische Korngrösse: um 1 bis 2 mm.

Filziger Schnee

Firn [en] [fr] [it] [es] [ca] [sk] [ro]

Schnee – meist auf Gletschern – der vergangenen Jahre, stark umgewandelt und verdichtet durch Schmelzen und Wiedergefrieren sowie durch Druck der überlagernden Schneemassen. Im Volksmund auch verwendet für den oberflächlich aufgeweichten Harschdeckel der saisonalen Schneedecke.


Firnspiegel [en] [fr] [it] [es] [ca] [sk] [ro]

Sehr dünne Eisschicht an der Schneeoberfläche, die durch das Zusammenspiel aus Sonneneinstrahlung, Schmelzen und Abstrahlung entsteht. Wegen des hohen Reflexionsvermögens ist an sonnenbeschienenen Hängen (meist im Frühling) grossflächiges Schneeglänzen zu beobachten.

Firnspiegel

Fischmaul, Gleitschneemaul [en] [fr] [it] [es] [ca] [sk] [ro]

Riss durch die gesamte Schneedecke, der entsteht, wenn die Schneedecke unterschiedlich schnell gleitet. Vor allem wenn in Gleitschneemäulern Schmelz- oder Regenwasser unter die talwärts liegende Schneedecke einsickert, kann es zur spontanen Entstehung von Gleitschneerutschen oder Gleitschneelawinen kommen.

Fischmaul

Fliesslawine [en] [fr] [it] [es] [ca] [sk] [ro]

Lawine, deren Bewegung, im Gegensatz zu Staublawinen, vorwiegend fliessend oder gleitend auf der Unterlage erfolgt

Fliesslawine

G

Gebundener Schnee [en] [fr] [it] [es] [ca] [sk] [ro]

Schnee ist “gebunden”, wenn die Schneeteilchen so miteinander verzahnt oder verwachsen (Sinterung) sind, dass beim vorsichtigen Ausstechen eines Blockes dieser nicht zerfällt. Gebundener Schnee entsteht bei der Ablagerung windverfrachteten Schnees oder als Folge der abbauenden Umwandlung. Gebundener Schnee ist neben der Existenz einer Schwachschicht eine weitere Bedingung für die Bildung von Schneebrettlawinen.

vergleiche in diesem Zusammenhang:

ungebundener Schnee

gebundener Schnee

Gefahr [en] [fr] [it] [es] [ca] [sk] [ro]

Zustand, Umstand oder Vorgang, aus dem ein Schaden entstehen kann.

vergleiche in diesem Zusammenhang:

Risiko


Gefahrenstelle (bei Lawinen) [en] [fr] [it] [es] [ca] [sk] [ro]

Ort, an der Personen oder Objekte von Lawinen erfasst werden können.

Achtung: Im Lawinenlagebericht meist verwendet in folgendem Sinn:

Stelle, an der es bei Belastung durch Wintersportler zur Lawinenauslösung kommen kann.

Anmerkung: In der Praxis wird aus dem textlichen Zusammenhang im Lagebericht die verwendete Bedeutung des Begriffs klar.


gesicherte Gebiete [en] [fr] [it] [es] [ca] [sk] [ro]

Gebiete, in denen  die Lawinengefahr oder andere alpine Gefahren durch technische Schutzmaßnahmen oder künstliche Lawinenauslösung beseitigt wurde.

  • gesichertes Gebiet

Gleiten, Schneegleiten [en] [fr] [it] [es] [ca] [sk] [ro]

Langsame Hangabwärtsbewegung der Schneedecke, begünstigt durch glatten (langes Gras, Felsplatten) oder feuchten Untergrund (einige Millimeter bis Meter pro Tag). Dabei können Gleitschneerisse oder Fischmäuler (Gleitschneemäuler) entstehen.


Gleitfläche [en] [fr] [it] [es] [ca] [sk] [ro]

Der Boden oder jene Schicht in der Schneedecke, auf der die Lawine nach einem Bruch abgleitet. Nicht zu verwechseln mit der Schwachschicht.

vergleiche in diesem Zusammenhang:

Bruchschicht

  • Gleitfläche

Gleitschneerutsch / -lawine [en] [fr] [it] [es] [ca] [sk] [ro]

Wenn das Schneegleiten (Gleiten) in die deutlich schnellere Lawinenbewegung übergeht spricht man von einem Gleitschneerutsch (vgl. Rutsch) oder einer Gleitschneelawine. Abgänge sind zu jeder Tages- und Nachtzeit möglich.

Gleitschneelawine

Grat [en] [fr] [it] [es] [ca] [sk] [ro]

Schmale Kammlinie eines Berges.

vergleiche in diesem Zusammenhang:

Kamm

  • Grat

Graupel [en] [fr] [it] [es] [ca] [sk] [ro]

Sonderform des Neuschnees: Durch das Anfrieren von Wassertröpfchen in der Atmosphäre entstandene rundliche Schneekörner.

Graupel

Grundlawine [en] [fr] [it] [es] [ca] [sk] [ro]

Schwere, nasse Frühjahreslawine, die in ihrer Sturzbahn stellenweise die Bodenoberfläche mitreisst und deshalb oft mit Erde und Schutt vermischt ist.

vergleiche in diesem Zusammenhang:

Bodenlawine

  • Grundlawine

H

Hangkante [en] [fr] [it] [es] [ca] [sk] [ro]

Von Hangkante spricht man, wenn die Neigung innerhalb eines Hanges markant zunimmt. Bevorzugter Ort für die Bildung von Triebschneeansammlungen.

vergleiche in diesem Zusammenhang:

Hangneigung


hangnaher Verkehrsweg [en] [fr] [it] [es] [ca] [sk] [ro]

Verkehrsweg im Hangbereich oder am Fuß eines Hanges, welcher der Gefahr von Lawinen ausgesetzt ist.


Hangneigung [en] [fr] [it] [es] [ca] [sk] [ro]

mäßig steil  weniger als 30° *)
steil  30 bis 35° *) 
sehr steil   35 bis 40° *)  
extrem steil  über 40° *) 

*) Hangneigung, gemessen in der Falllinie an der steilsten Stelle im Hang im Kartenmassstab 1:25'000 oder geschätzt im Gelände.

Hangneigung

Harsch [en] [fr] [it] [es] [ca] [sk] [ro]

Durch Schmelz- und Gefrierprozesse oder durch Wind stark verfestigte Schneeschicht.


Harschdeckel [en] [fr] [it] [es] [ca] [sk] [ro]

Harsch an der Oberfläche der Schneedecke.


Hochgebirge [en] [fr] [it] [es] [ca] [sk] [ro]

Gebiete oberhalb von rund 3000 m. Sie umfassen insbesondere die vergletscherten Gebiete.

Hochalpin

Höhenlage [en] [fr] [it] [es] [ca] [sk] [ro]

Geländebereich, der durch die Meereshöhe begrenzt wird (Genauigkeit von plus/minus rund 100 Höhenmetern).

hohe Lagen:              2000 bis 3000 m

mittlere Lagen:          1000 bis 2000 m

tiefe Lagen:               unterhalb 1000 m

vergleiche in diesem Zusammenhang:

Hochgebirge

I

Inneralpin [en] [fr] [it] [es] [ca] [sk] [ro]

Von Bergketten umrandete und daher von Niederschlägen oft abgeschattete Gebiete der Alpen. Typische inneralpine Gebiete sind das zentrale Wallis, das Engadin und Mittelbünden (CH) (zwischen dem Nördlichen Alpenkamm und dem Alpenhauptkamm liegend), das Ortler-Vinschgau-Gebiet sowie die Ötztaler Alpen (A).

Inneralpin

insbesondere (bei großer Zusatzbelastung) [en] [fr] [it] [es] [ca] [sk] [ro]

Im allgemeinen bei großer Zusatzbelastung, aber im Einzelfall auch bei geringer Zusatzbelastung.


Isothermie, isotherme Schneedecke [en] [fr] [it] [es] [ca] [sk] [ro]

Die Schneedecke ist dann isotherm, wenn sie vom Boden bis zur Oberfläche dieselbe Temperatur aufweist. Typisch ist dieses Phänomen im Frühjahr, wenn die Schneedecke vom Boden bis zur Schneeoberfläche eine Temperatur von 0°C erreicht hat. Sie ist in diesem Zustand oft durchgehend feucht bis nass und verliert dadurch an Festigkeit.

K

Kamm [en] [fr] [it] [es] [ca] [sk] [ro]

Langer, markanter Gebirgsrücken

 

Erweiterte Erklärungen: Ein Kamm ist immer eine auffällige Erhebung im Georelief und verbindet oft viele Gipfel miteinander.

vergleiche in diesem Zusammenhang:

Grat

Rücken

  • Kamm

kammfern, freie Hanglage [en] [fr] [it] [es] [ca] [sk] [ro]

Gebiet, das nicht direkt in Verbindung mit dem Kamm steht.

Erweiterte Erklärungen: Vielfach entspricht dies dem Übergang aus extremem Steilgelände ins Steilgelände. Auch Steilstufen und kleinere Erhebungen, die nicht direkt mit dem Kamm zusammenhängen gehören in dieses Gebiet. Kammnahe und kammferne Gebiete sind nicht scharf voneinander abgetrennt. Die Grenze ist als Bandbreite zu verstehen.

  • Kammfern

Kammlage, kammnah, gratnah, gipfelnah [en] [fr] [it] [es] [ca] [sk] [ro]

Gebiet, das direkt an den Kamm, bzw. Grat oder Gipfel  angrenzt und besonders stark durch den Wind beeinflusst wird.

  • Kammlage

Kantigkörniger Schnee [en] [fr] [it] [es] [ca] [sk] [ro]

Körner mit mehrheitlich ebenen Flächen und deutlichen Kanten als Folge der aufbauenden Schneeumwandlung. Typische Korngrösse: 0.5 bis 3 mm.

Kantigkörniger Schnee

kleinräumig [en] [fr] [it] [es] [ca] [sk] [ro]

Bereiche innerhalb von Hängen oder in Randbereichen mit einer Ausdehnung von wenigen Metern bis maximal 20 m.

vergleiche in diesem Zusammenhang:

Region, regional

lokal, örtlich


Kritische Neuschneemenge [en] [fr] [it] [es] [ca] [sk] [ro]

Neuschnee stellt eine Belastung für die vorhandene Schneedecke dar und steigert damit die Lawinengefahr.

 

Als Faustregel für die kritische Neuschneemenge gilt:

10 bis 20 cm bei ungünstigen Bedingungen

20 bis 30 cm bei mittleren Bedingungen

30 bis 50 cm bei günstigen Bedingungen

 

Günstig: schwacher bis mässiger Wind, Temperatur wenig unter 0°C, stark unregelmässige Schneeoberfläche, Hang ständig befahren.

 

Ungünstig: intensiver Niederschlag in kurzer Zeit, starker Wind (>50 km/h, Wind hörbar, Wald rauscht), tiefe Temperaturen (kälter als –5 bis –10°C), Schneefall fällt auf eine ungünstige Unterlage (Oberflächenreif, Harsch oder Eis, aufgebaute Altschneeoberfläche, schwache Altschneedecke), selten befahren.


künstliche Lawinenauslösung [en] [fr] [it] [es] [ca] [sk] [ro]

Auslösung von Lawinen durch das Aufbringen von Zusatzbelastungen auf die Schneedecke (z.B. Belastung durch Detonationsdruckwellen bei Sprengungen, Maschinen, Personen)

L

Länge der Lawine [en] [fr] [it] [es] [ca] [sk] [ro]

Die Gesamtlänge einer Lawine, gemessen vom obersten Punkt des Anrisses bis zum vordersten Punkt der Ablagerung.

Lawinenlänge

Lawine (Schneelawine) [en] [fr] [it] [es] [ca] [sk] [ro]

Schnelle Massenbewegung des Schnees mit einem Volumen von mehr als 100 m³ und einer Länge von mehr als 50 Metern.

vergleiche in diesem Zusammenhang:

Rutsch

Schneebrettlawine

Lawinengröße [en] [fr] [it] [es] [ca] [sk] [ro]

Ausmaß der Lawine, klassifiziert nach Reichweite, Auslauflänge, Volumen und Schadenspotenzial

Größe Name Reichweite Schadenspotenzial typische Länge und Volumen
Größe 1 "Rutsch" Schneeumlagerungen mit sehr geringer Verschüttungsgefahr, jedoch Absturzgefahr relativ harmlos für Personen Länge < 50 m, Volumen < 100 m³
Größe 2 kleine Lawine kommt in Hängen zum Stillstand kann eine Person verschütten, verletzen oder töten Länge < 100 m, Volumen < 1.000 m³
Größe 3 mittlere Lawine erreicht den Hangfuß von Hängen kann Pkw´s verschütten und zerstören, schwere LKW´s beschädigen, kann kleine Gebäude zerstören und einzelne Bäume brechen Länge < 1.000 m, Volumen < 10.000 m³
Größe 4 große Lawine überwindet flachere Geländeteile (deutlich unter 30°) über eine Distanz von >50m, kann den Talboden erreichen kann schwere LKW´s und Schienenfahrzeuge verschütten und zerstören, kann größere Gebäude und kleine Waldflächen zerstören Länge ~1-2 km, Volumen < 100.000 m³
Größe 5 sehr große Lawine erreicht den Talboden, größte bekannte Lawine kann die Landschaft verwüsten, katastrophales Zerstörungspotenzial möglich Länge ~3 km, Volumen > 100.000 m³
  • Lawinengröße

Lawinenkegel [en] [fr] [it] [es] [ca] [sk] [ro]

Ablagerung der Lawine. Der abgeglittene Lawinenschnee bleibt im Talboden oft über längere Zeit sichtbar liegen.

Lawinenkegel

Lawinenlagebericht, Lawinenbulletin [en] [fr] [it] [es] [ca] [sk] [ro]

Der Lawinenlagebericht (Schweiz: Lawinenbulletin) vermittelt detaillierte Information zur Schneedecken- und Lawinensituation. Die Lawinengefahr wird nach der 5-stufigen Europäischen Lawinengefahrenskala beurteilt.


Lockerschneelawine [en] [fr] [it] [es] [ca] [sk] [ro]

Lawine (trocken oder nass) die an einem Punkt beginnt und sich in einer typischen birnenförmigen Form ausbreitet.

Lockerschneelawine

Lee-Hang, Windschattenhang [en] [fr] [it] [es] [ca] [sk] [ro]

Hang, der dem Wind abgewandt ist. Hier wird viel Schnee abgelagert und es liegt oft ein Mehrfaches der mittleren Schneehöhe.

vergleiche in diesem Zusammenhang:

Luv-Hang

Lee-Hang

lokal, örtlich [en] [fr] [it] [es] [ca] [sk] [ro]

Gebiete in der Grössenordnung von Hängen bis zu Talkesseln. Innerhalb einer Region können lokal unterschiedliche Lawinenverhältnisse herrschen.

vergleiche in diesem Zusammenhang:

Region, regional

kleinräumig


Luv-Hang, windexponierter Hang [en] [fr] [it] [es] [ca] [sk] [ro]

Hang, der dem Wind zugewandt ist.

vergleiche in diesem Zusammenhang:

Lee-Hang

Luv-Hang

M

möglich (etwas ist möglich) [en] [fr] [it] [es] [ca] [sk] [ro]

Vorgang mit Eintrittswahrscheinlichkeit unter 66% (Zweidrittelgrenze).


Mulde [en] [fr] [it] [es] [ca] [sk] [ro]

Runde oder längliche, sanfte Vertiefung in flachem Gelände oder in einem Hang. Bevorzugter Ort für die Bildung von Triebschneeansammlungen.

  • Mulde

N

Nassschneelawine [en] [fr] [it] [es] [ca] [sk] [ro]

Lawine aus nassem Schnee. Fliesst meist langsamer als eine Trockenschneelawine und hat deshalb eine kürzere Auslaufstrecke. Wegen ihrer grösseren Dichte übt sie auf Hindernisse trotzdem beträchtliche Kräfte aus.

Nassschneelawine

Neuschnee [en] [fr] [it] [es] [ca] [sk] [ro]

Wenig umgewandelter und wenig verfestigter Schnee der aktuellen oder einer kurz zurückliegenden Niederschlagsperiode. Typische Korngrösse: 1 bis 3 mm. Im Lawinenlagebericht wird der entsprechende Zeitraum angegeben.

vergleiche in diesem Zusammenhang:

Altschnee

Neuschneemenge

Neuschneesumme

Neuschnee

Neuschneemenge [en] [fr] [it] [es] [ca] [sk] [ro]

in 24 Stunden abgelagerter Neuschnee.


Neuschneesumme [en] [fr] [it] [es] [ca] [sk] [ro]

Summe der täglichen Neuschneemengen über einen bestimmten Zeitraum (z.B. 3-Tages-Neuschneesumme).

vergleiche in diesem Zusammenhang:

Schneehöhenzuwachs


Nullgradgrenze [en] [fr] [it] [es] [ca] [sk] [ro]

Höhe über dem Meer, mit einer Lufttemperatur von 0°C in der freien Atmosphäre.

O

Oberflächenreif [en] [fr] [it] [es] [ca] [sk] [ro]

Transparente, plättchenförmige Eiskristalle, die sich durch das Ausfällen von Feuchtigkeit (Sublimation) aus der Luft an der kalten Schneeoberfläche bilden.

vergleiche in diesem Zusammenhang:

Abstrahlung, Ausstrahlung

Gleitfläche

  • Oberflächenrelief

Oberlawine [en] [fr] [it] [es] [ca] [sk] [ro]

Lawine, die im Anrissbereich auf einer Schneeschicht abgleitet.

vergleiche in diesem Zusammenhang:

Bodenlawine

Oberlawine

P

Passlage [en] [fr] [it] [es] [ca] [sk] [ro]

Tief liegender Übergang von einem Tal ins andere. Mit der Verengung am Passübergang ist eine gegenüber der Umgebung erhöhte Windgeschwindigkeit verbunden, was zu intensivierter Schneeumlagerungen führt.

vergleiche in diesem Zusammenhang:

Windstärken

Passlage

R

region, regional [en] [fr] [it] [es] [ca] [sk] [ro]

Gebiete in der Grössenordnung von einer oder mehreren Talschaften. In der Lawinenprognose werden die Regionen meist klimatologisch oder auch politisch abgegrenzt.

vergleiche in diesem Zusammenhang:

kleinräumig

lokal, örtlich


Rinne, Runse [en] [fr] [it] [es] [ca] [sk] [ro]

In der Regel steile und langgestreckte Erosionsfurche. Bevorzugter Ort für die Bildung von Triebschneeansammlungen.

vergleiche in diesem Zusammenhang:

Couloir

  • Rinne

Rippe [en] [fr] [it] [es] [ca] [sk] [ro]

Längliche, vom umliegenden Gelände deutlich abgesetzte, talwärts verlaufende Erhebung.

  • Rippe

Risiko [en] [fr] [it] [es] [ca] [sk] [ro]

Wahrscheinlichkeitsbegriff, der sich zusammensetzt aus der Ereigniswahrscheinlichkeit (kann es zum Ereignis kommen?), der Präsenzwahrscheinlichkeit (hält sich jemand am Gefahrenort auf?) und der Schadenswahrscheinlichkeit (wie gross kann der Schaden sein?)

Erweiterte Erklärungen: Im Lawinenbulletin wird die Lawinengefahr nicht das Lawinenrisiko beschrieben.

vergleiche in diesem Zusammenhang:

Gefahr


Rissbildung [en] [fr] [it] [es] [ca] [sk] [ro]

In einer spröden Schneedecke können sich Risse bilden. Diese deuten auf eine gewisse Spannung in der Schneedecke hin.

Rissbildung

Rundkörniger Schnee, feinkörniger Schnee [en] [fr] [it] [es] [ca] [sk] [ro]

Kleine, rundliche Körner: Resultat der abbauenden Schneeumwandlung. Typische Korngrösse: 0.2 bis 0.5 mm.

Rundkörniger Schnee

Rücken [en] [fr] [it] [es] [ca] [sk] [ro]

Langgestreckter, abgerundeter Geländeteil, der sich von der Umgebung abhebt.

  • Rücken

S

Schattenhang, schattenseitig, schattseitig [en] [fr] [it] [es] [ca] [sk] [ro]

Geländeteil, welcher durch die Sonnenstrahlung nicht oder nur unbedeutend beeinflusst wird.

Erweiterte Erklärungen: Im Hochwinter mit tiefem Sonnenstand mehr verbreitet als gegen den Frühling mit höher werdendem Sonnenstand. Je nach Abschattung durch den Nahhorizont kommen Schattenhänge in allen Expositionen und nicht nur in Nordhängen vor.

Schattenhang

Schmelzformen [en] [fr] [it] [es] [ca] [sk] [ro]

Runde, durch die Schmelz-Umwandlung entstandene, grosse Körner, oft in grösseren Klumpen. Typische Korngrösse: 0.5 bis 3 mm.

Schmelzform

Schmelzharsch [en] [fr] [it] [es] [ca] [sk] [ro]

Entsteht durch das Gefrieren des freien Wassers in einer nassen Schneeschicht. Damit verbunden: Festigkeitszunahme.

vergleiche in diesem Zusammenhang:

Schmelzumwandlung

Harsch, Harschdeckel


Schmelz-Umwandlung [en] [fr] [it] [es] [ca] [sk] [ro]

Schneeumwandlung durch Wärmezufuhr bei 0°C. Es entsteht ein Gemisch aus Eiskristallen und Wasser. Damit verbunden sind Festigkeitsverluste.

vergleiche in diesem Zusammenhang:

Schmelzharsch

durchfeuchteter Schnee

durchnässter Schnee

Schmelzumwandlung

Schneebrettlawine [en] [fr] [it] [es] [ca] [sk] [ro]

Lawine, die durch den Abbruch einer Schneetafel entsteht. Die Schneebrettlawine ist durch einen linienförmigen, quer zum Hang verlaufenden Anriss charakterisiert.

Schneebrettlawine

Schneedecke [en] [fr] [it] [es] [ca] [sk] [ro]

Auf dem Boden in verschiedenen Schichten abgelagerter Schnee.

Schneedecke

Schneedeckenaufbau [en] [fr] [it] [es] [ca] [sk] [ro]

Schichtabfolge der Schneedecke, pro Schicht charakterisiert durch die Kornformen, Korngrössen, Härte, Temperatur, Wassergehalt und Dichte.

Schneedeckenaufbau

Schneedeckenfundament, Basisschichten [en] [fr] [it] [es] [ca] [sk] [ro]

Unterste Schichten resp. unterster und bodennaher Teil einer Schneedecke.


Schneedichte [en] [fr] [it] [es] [ca] [sk] [ro]

Die Dichte ist definiert als Verhältnis von Masse zu Volumen. Der Schnee weist je nach Zustand ganz unterschiedliche Dichten auf:

Schneeart Dichte (kg/m3)
Leichtester Neuschnee, Wildschnee ca. 30
Neuschnee ca. 100
Filziger Schnee 150 bis 300
Rundkörniger Schnee 250 bis 450
Kantigkörniger Schnee 250 bis 400
Tiefenreif 150 bis 350
Nassschnee 300 bis 500
Firn 500 bis 830
Gletschereis ca. 900
Reines Eis 917

vergleiche in diesem Zusammenhang:

Wasserwert


Schneedünen, Dünen [en] [fr] [it] [es] [ca] [sk] [ro]

Ablagerungsform, die durch Schneeverfrachtung entsteht. Die flache Seite ist dem Wind zugewandt (Luv), die steile Seite der Düne vom Wind abgewandt (Lee). Nicht zu verwechseln sind Dünen mit den Windgangeln.

Schneedünen

Schneefahnen [en] [fr] [it] [es] [ca] [sk] [ro]

Durch den Wind aufgewirbelter Schnee an Kämmen und Gräten.

vergleiche in diesem Zusammenhang:

Schneetreiben

Schneefahnen

Schneefallgrenze [en] [fr] [it] [es] [ca] [sk] [ro]

Höhe über Meer, bis zu welcher der Niederschlag überwiegend als Schnee fällt und am Boden liegen bleibt. Sie liegt im Mittel 300 m tiefer als die  Nullgradgrenze. Bei intensiven Niederschlägen und/oder abgeschlossenen Tälern kann sie auch bis zu 600m unter die Nullgradgrenze absinken.


Schneefegen [en] [fr] [it] [es] [ca] [sk] [ro]

Umlagerung von Schnee durch den Wind direkt über der Schneedecke (die Horizontalsicht wird nicht merklich behindert)

vergleiche in diesem Zusammenhang:

Schneetreiben

Schneefegen

Schneegrenze [en] [fr] [it] [es] [ca] [sk] [ro]

Grenzlinie (angegeben in Höhe über Meer) zwischen schneebedecktem und schneefreiem Gelände. Die Schneegrenze kann je nach Exposition in unterschiedlichen Höhenlagen liegen.

Schneegrenze

Schneehöhe [en] [fr] [it] [es] [ca] [sk] [ro]

Lotrecht gemessene Höhe der Schneedecke.

vergleiche in diesem Zusammenhang:

Schneemächtigkeit


Schneehöhenzuwachs [en] [fr] [it] [es] [ca] [sk] [ro]

Zunahme der Schneehöhe innerhalb eines bestimmten Zeitraums.


Schneemächtigkeit [en] [fr] [it] [es] [ca] [sk] [ro]

senkrecht auf den Hang gemessene Dicke der Schneedecke.

vergleiche in diesem Zusammenhang:

Schneehöhe


Schneetreiben [en] [fr] [it] [es] [ca] [sk] [ro]

hochreichende Umlagerung von Schnee durch den Wind über der Schneedecke (die Horizontalsicht wird behindert)

vergleiche in diesem Zusammenhang:

Schneefegen

Schneetreiben

Schneeumwandlung (Metamorphose) [en] [fr] [it] [es] [ca] [sk] [ro]

Änderung der Kornformen und des Gefüges im Schnee.

vergleiche in diesem Zusammenhang:

Abbauende Schneeumwandlung

Aufbauende Schneeumwandlung

Schmelz-Umwandlung


Schneeverfrachtung [en] [fr] [it] [es] [ca] [sk] [ro]

Durch den Wind hervorgerufene Umlagerung von Schnee. Schneeverfrachtung beginnt ab rund 4m/s (ca. 15km/h) Windgeschwindigkeit bei lockerem und ab 10m/s (35km/h) bei etwas verfestigtem Schnee.

 

Erweiterte Erklärungen: Die Schneeverfrachtung wächst in der dritten Potenz der Windgeschwindigkeit. Doppelte Windgeschwindigkeit ergibt achtfache Menge an verfrachtetem Schnee! Ein Verfrachtungsmaximum wird bei Windgeschwindigkeiten um 50 bis 80 km/h erreicht, weil danach die Erodierbarkeit der Schneedecke abnimmt.


Schwachschichten, schwache Schichten [en] [fr] [it] [es] [ca] [sk] [ro]

Schichten innerhalb der Schneedecke, die eine geringe Festigkeit aufweisen, so dass Brüche im Kristallgefüge entstehen und sich fortsetzen können.

Typische Schwachschichten sind: eingeschneiter Oberflächenreif, aufbauend umgewandelte Schichten oder überdeckter lockerer Neuschnee.

  • Schwachschicht

Schwimmschnee [en] [fr] [it] [es] [ca] [sk] [ro]


Selbstauslösung von Lawinen, spontane Lawinen [en] [fr] [it] [es] [ca] [sk] [ro]

Auslösung von Lawinen ohne Fremdeinwirkung auf die Schneedecke


Setzung [en] [fr] [it] [es] [ca] [sk] [ro]

Abnahme der Schneehöhe als Folge der abbauenden Umwandlung. Damit verbunden: Zunahme von Dichte und Festigkeit des Schnees.

Setzung

Sicherheitsabstand [en] [fr] [it] [es] [ca] [sk] [ro]

Abstände zur Verminderung des Risikos beim Begehen von lawinengefährdetem Gelände. Im Gegensatz zum Entlastungsabstand befindet sich beim Sicherheitsabstand immer nur eine Person im gefährdeten Bereich. Wird vor allem in der Abfahrt verwendet, wenn steile Hänge einzeln befahren werden.


Sintern [en] [fr] [it] [es] [ca] [sk] [ro]

Zusammenwachsen der einzelnen Schneekristalle. Dies führt zu einer Zunahme der Festigkeit. Je wärmer der Schnee, umso schneller geht das Sintern voran. Besonders gut kann das Sintern bei Schnee festgestellt werden, der zusammengepresst wurde: Zum Beispiel Schneeball, Lawinenschnee oder alte Spuren werden rasch fest.


Sonnenhang, sonnenseitig, sonnseitig [en] [fr] [it] [es] [ca] [sk] [ro]

Geländeteil, welcher durch die Sonnenstrahlung stark beeinflusst wird. Typische Sonnenhänge liegen in den Expositionen von Ost über Süd bis West, in Abhängigkeit des tageszeitlichen Sonnenstandes.

Erweiterte Erklärungen: Im Hochwinter mit tiefem Sonnenstand weniger verbreitet als gegen den Frühling mit höher werdendem Sonnenstand.

Sonnenhang

Spannungen (in der Schneedecke) [en] [fr] [it] [es] [ca] [sk] [ro]

Belastung der Kornbindungen in einer Schneeschicht, hervorgerufen durch das Gewicht und die hangabwärts gerichtete Eigenbewegung des überlagernden Schnees.


Spontanlawine [en] [fr] [it] [es] [ca] [sk] [ro]


stabilisiert, verfestigt [en] [fr] [it] [es] [ca] [sk] [ro]


Stabilität, Schneedeckenstabilität [en] [fr] [it] [es] [ca] [sk] [ro]

Fähigkeit der Schneedecke durch inneren Widerstand äußeren Einflüssen entgegen zu wirken. Die Stabilität wird durch die Festigkeiten und Spannungen in den einzelnen Schneeschichten bestimmt.


Staublawine [en] [fr] [it] [es] [ca] [sk] [ro]

Lawine (meist Schneebrettlawine) aus feinkörnigem, trockenem Schnee, die ein Schnee-Luft-Gemisch bildet, sich teilweise oder ganz vom Boden abhebt und grosse Schneestaubwolken entwickelt. Sie erreicht Geschwindigkeiten von 100-300 km/h und kann starke Luftdruckwellen erzeugen, wodurch auch ausserhalb der Ablagerungszone Schäden verursacht werden.

Staublawine

Steilgelände [en] [fr] [it] [es] [ca] [sk] [ro]

Gelände mit Hangneigung grösser als 30°, ungeachtet seiner Form und Beschaffenheit.


störanfällig (Schneedecke, Schneeschicht) [en] [fr] [it] [es] [ca] [sk] [ro]

Eine Schneedecke ist störanfällig, wenn es bei Zusatzbelastung in einer Schicht der Schneedecke zum Bruch kommen kann.

vergleiche in diesem Zusammenhang:

Schwachschichten


Strahlung [en] [fr] [it] [es] [ca] [sk] [ro]

Energietransport mit Hilfe elektromagnetischer Wellen. Man unterscheidet die kurzwellige (sichtbares Licht) und die langwellige Strahlung (Wärmestrahlung).

vergleiche in diesem Zusammenhang:

Abstrahlung, Einstrahlung


Sulzschnee [en] [fr] [it] [es] [ca] [sk] [ro]

Grobkörniger, feuchter Schnee, der v.a. im Frühling durch wiederholtes Auftauen und Wiedergefrieren der Oberflächenschichten der Schneedecke entsteht.

  • Sulzschnee

T

Tagesgang, Tagesverlauf der Lawinengefahr [en] [fr] [it] [es] [ca] [sk] [ro]

Die Lawinengefahr kann innerhalb eines Tages einer starken Schwankung unterworfen sein. Typisch ist dies im Frühjahr, wenn nach einer klaren Nacht die Lawinengefahr am Morgen niedrig ist und mit der Sonneneinstrahlung und tageszeitlichen Erwärmung markant ansteigt.


Talflanke [en] [fr] [it] [es] [ca] [sk] [ro]

Seitliche Begrenzung eines Tales vom Talboden bis zum Kammbereich.

Talflanke

Tallawine [en] [fr] [it] [es] [ca] [sk] [ro]

Große Lawine, die bis in den Talbereich vordringt.

Tallawine

Temperaturgradient [en] [fr] [it] [es] [ca] [sk] [ro]

Änderung der Temperatur über eine Distanz, ausgedrückt als °C/m. In der Schneedecke wird jeweils vertikal vom Boden gegen die Schneeoberfläche gemessen. Als "klein" gilt ein Temperaturgradient von z.B. 1 °C pro Meter, als „gross“ von z.B. 25 °C pro Meter.


tragfähige Schneedecke [en] [fr] [it] [es] [ca] [sk] [ro]


Triebschnee [en] [fr] [it] [es] [ca] [sk] [ro]


Triebschneeansammlung, Triebschneeablagerung [en] [fr] [it] [es] [ca] [sk] [ro]

Ist das Ergebnis der Schneeverfrachtung: Im Windschattenbereich abgelagerte, mehr oder weniger dicht gepackte Schneeschicht mit oft spröden (zerbrechlichen) Kornbindungen.  Bevorzugte Ablagerungsbereiche liegen in kammnahen Hängen, Rinnen, Mulden oder an Hangkanten.

 

Erweiterte Erklärungen: Schnee, der vom Wind verfrachtet wurde, wobei die Schneekristalle durch Rollbewegungen, Hüpfen, Abheben und Aufschlagen stark zertrümmert und auf 10 bis 20% der ursprünglichen Grösse verkleinert werden. Die kleinen Bruchstücke werden vom Wind bei der Ablagerung ineinander gerüttelt, so dass v.a. im Leehang (dem Wind abgekehrt) eine geschichtete, dichte Packung entsteht. Der Schnee ist dann gebunden, kann aber durchaus noch weich sein. Durch die Verdichtung entstehen spröde (zerbrechliche) Schneebretter.

 

Größe der Triebschneeablagerungen (Mächtigkeit)

kleine Triebschneeablagerung:                  5 - 20 cm mächtig

mittlere Triebschneeablagerung:               20 - 50 cm mächtig

grosse Triebschneeablagerung:                über 50 cm mächtig

 

Umfang der Triebschneeablagerungen (räumlich)

vereinzelte/einzelne Triebschneeablagerungen:

wenige Triebschneeablagerungen von meist geringer räumlicher Ausdehnung.

 

umfangreiche Triebschneeablagerungen:

zahlreiche, meist große Triebschneeablagerungen an Hängen verschiedener Exposition.

U

ungebundener Schnee [en] [fr] [it] [es] [ca] [sk] [ro]

Der Schnee hat keinen Zusammenhalt (keine Kohäsion). Der Begriff „ungebundener Schnee“ wird u.a. im Zusammenhang mit Neuschnee oder stark aufgebautem Schnee verwendet, gilt aber definitionsgemäss auch für stark durchnässten Schnee. Ungebundener Schnee kann zur Bildung von Lockerschneelawinen führen.

vergleiche in diesem Zusammenhang:

gebundener Schnee

V

Verfestigung (Festigkeitszunahme) [en] [fr] [it] [es][ca] [sk] [ro]

W

Wächte [en] [fr] [it] [es] [ca] [sk] [ro]

Durch Schneeverfrachtung hervorgerufene, stark verdichtete  Schneeablagerung direkt auf der windabgewandten Seite eines Grates mit keilförmigem Überhang auf die Leeseite.

  • Wächte

wahrscheinlich (etwas ist wahrscheinlich) [en] [fr] [it] [es] [ca] [sk] [ro]

Vorgang mit Eintrittswahrscheinlichkeit über 66 %

 

Erweiterte Erklärungen: Hintergrundüberlegung: Russisches Roulette

ab 4 Kugeln im 6-schüssigen Revolver wird es „wahrscheinlich“, dass das Roulette zu Ungunsten des Spielers ausgeht.


Waldgrenze [en] [fr] [it] [es] [ca] [sk] [ro]

Klimatisch und waldgeschichtlich bedingte Grenzzone, bis zu der ein Wald noch eine lawinenschutzwirksame Funktion ausüben kann.

 

In der Schweiz:

Alpensüdhang und Voralpen: 1650 -1850 m

Nördlicher Alpenkamm: 1800 -2000 m

Engadin, bzw. Inneralpin: 2000 -2200 m

Waldgrenze

Wasserwert [en] [fr] [it] [es] [ca] [sk] [ro]

Der Wasserwert ist gleich der Höhe der Wasserschicht (in Millimetern), die durch Schmelzen des Schnees bei unveränderter Grundfläche entstehen würde. Bei einer mittleren Schneedichte von 100 kg/m³ liefert 20 cm Schnee einen Wasserwert von 20 mm, bei 500 kg/m³ wird aus den 20 cm Schnee 100 mm Wasser.


Wildschnee [en] [fr] [it] [es] [ca] [sk] [ro]

Sehr leichter Neuschnee.

 

vergleiche in diesem Zusammenhang:

Schneedichte


windabgewandt [en] [fr] [it] [es] [ca] [sk] [ro]

siehe:

Lee-Hang


windexponiert [en] [fr] [it] [es] [ca] [sk] [ro]

siehe:

Luv-Hang


Windgangeln, Zastrugi [en] [fr] [it] [es] [ca] [sk] [ro]

Erosionsform auf der Schneedecke, wobei die steile, erodierte Seite gegen den Wind (Luv) zeigt. Nicht zu verwechseln mit den Dünen.

  • Windgangeln

Windharsch, Windharschdeckel [en] [fr] [it] [es] [ca] [sk] [ro]

Durch den Wind stark verfestigte Schicht an der Oberfläche der Schneedecke.

 

vergleiche in diesem Zusammenhang:

Harsch

Bruchharsch

tragfähige Schneedecke

Windharsch

Windschattenhang [en] [fr] [it] [es] [ca] [sk] [ro]

siehe:

Lee-Hang


Windstärke [en] [fr] [it] [es] [ca] [sk] [ro]

schwach: 0 –20km/h

mässig (inkl. mässig bis stark): 20 –40km/h

stark (inkl. stark bis stürmisch): 40 –60km/h

stürmisch (inkl. Sturm und schwerer Sturm): 60 –100km/h

orkanartiger Sturm: >100km/h


Wummgeräusch, Setzungsgeräusch [en] [fr] [it] [es] [ca] [sk] [ro]

Markantes Geräusch, das sich beim abrupten Setzen der Schneedecke ergibt, wenn das Kristallgefüge in einer Schwachschicht zusammenbricht. Wummgeräusche sind ein Zeichen einer instabilen Schneedecke und oft verbunden mit Rissbildung. Wiederholte Wummgeräusche gelten als deutliches Alarmzeichen.

Z

Zusatzbelastung [en] [fr] [it] [es] [ca] [sk] [ro]

a)        kleine / geringe  Zusatzbelastung:

  • Einzelner Skifahrer oder Snowboarder, sanft schwingend, nicht stürzend
  • Gruppe mit Entlastungsabständen (mindestens 10 m)
  • Schneeschuhgeher

 

b)        große Zusatzbelastung:

  • Zwei oder mehrere Skifahrer / Snowboarder / etc. ohne Entlastungsabstände
  • Pistenfahrzeug, Schneefeldsprengung
  • Einzelner Fussgänger / Alpinist

 

  • Zusatzbelastung
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